An meen Rechner kommse nich !!! – oder: wie wir Madeline Tosh vom Zoll befreiten …
Lange haben wir auf diese Nachricht gewartet, kaum noch damit gerechnet, aber dann kam sie doch: Vier Kartons Madelinetosh-Garne warten beim Zoll auf Abholung durch uns. Zu diesem Anlass fuhren wir natürlich erstmals gemeinsam zum Zoll – gut gelaunt und voller Vorfreude, mit beiden Autos Kolonne. Der Freitagnachmittagstau stadtauswärts hielt sich in Grenzen – Wetter und Laune prima – bis zur ersten Katastrophe: Die Autobahnabfahrt war gesperrt ! Wir folgten der ausgeschilderten Umleitung, die gefühlte 20 km lang war und durch Gegenden führte, in denen man nicht glauben mochte, dass die Wiedervereinigung inzwischen 22 Jahre her ist.
45 Minuten vor Schließung waren wir dann endlich da „Was tut man nicht alles für Madelinetosh“ war unser beider Gedanke – nicht wissend, was jetzt noch auf uns zukommen sollte …
Leider war unser Lieblingszollbeamter nicht da, der mich sonst schon immer mit den Worten „Na, heute wieder Llama ?“ begrüßte. Stattdessen gerieten wir an das ganze Gegenteil … Er stellte uns einen der vier Kartons hin, den ich dann öffnen durfte – wir beide bekamen gleich glänzende Augen, denn die Madelinetosh Prairie lag ganz oben – in den allerschönsten Farben. Doch was geschah ? Er nahm uns das schöne Garn ganz schnell wieder weg – der Warengegenwert betrug nämlich über 1000,- € und da bedarf es natürlich einiger Bürokratie – worüber man vorab natürlich nicht informiert wird !
Kurzum: die Ware wird erst an uns rausgegeben, wenn wir ein Formular ausgefüllt vorlegen, das wir auf der Zollseite im Internet finden. Wir haben den „reizenden“ Herrn natürlich gefragt, ob er dieses Formular nicht hier hätte, wir können es doch schnell ausfüllen … An meen Rechner kommse nich !!! war seine Antwort – und unsere Fragen nach dem Warum und woher wir das hätten wissen sollen, hätte man ja mal mit in der Benachrichtigung erwähnen können, blieben allesamt unbeantwortet …
Was also tun ? Der Weg zum Zoll ist weit, die Öffnungszeiten für die arbeitende Bevölkerung ungünstig und das Garn verführerisch – wir wollten es natürlich gleich mitnehmen.
Also machten wir uns auf ins „Zentrum“ dieses Nests auf der Suche nach einem Internetcafe => Zentrum beschränkte sich auf einige nebeneinander liegende Läden. Wir versuchten es zunächst in der Post, in der nicht ein Kunde war – zwei Angestellte in Abwehrhaltung und ohne eine Spur Freundlichkeit im Gesicht fauchten: „Internet ? Gibt’s hier nicht !“ Inzwischen ziemlich verzweifelt gingen wir zwei Türen weiter in eine Art Bestellannahmeshop. Und siehe da: es gab auch nette Menschen in dieser Gegend. Der reizende Inhaber ging sofort für uns auf die Internetseite vom Zoll – ich reichte ihm noch mein Handy, mit dem ich zwischenzeitlich den Zollbeamten wieder angerufen hatte – der ihm dann erklärte, dass das Formular online ausgefüllt werden muss und dass das mindestens 15 Minuten dauere und dass der Zoll dann eh zu hat !!!
Wir sind dann zurück zum Zoll und schwankten zwischen
- gar nicht mehr reingehen
- einem Zickenauftritt mit Androhung einer Dienstaufsichtsbeschwerde
- einer Geiselnahme, um die Madelines frei zu pressen oder dem totalen Doof stellen und auf naives Blondchen zu machen …
Und siehe da, kurz vor Toresschluss gerieten wir an einen sehr netten älteren Herren, der uns unter Hinzuziehung einer benachbarten Spedition zur Zollabfertigung unsere Madelines mitgab, hinter uns abschloss und ins Wochenende ging …
Puh, hier sind sie also für Euch, die hart erkämpften Madelines
Happy Knitting !!
Marion & Steffi